Austauschen der kompletten Kupplung
Bei Petra´s Motorrrad nervte die Kupplung besonders beim anfahren mit starkem rupfen. Deshalb habe ich nachdem ein wechseln der Kupplungsscheiben nichts gebracht hatte die komplette Kupplung gewechselt.
Da dies aber nicht bei allen der Fall sein dürfte und nur die Kupplungsscheiben ausgetauscht werden müssen ist diese Anleitung geteilt.
Die Kupplung mit knapp 6000km konnte ich für knapp 10 Euro bei einem bekannten Internetauktionshaus ersteigern.Beim Auspacken war ich über den sehr guten Zustand der Teile angenehm überrascht.
Das wechseln der Kupplung ist sehr simpel und es bedarf keiner ausgeprägten Erfahrungen um diese Arbeit auszuführen.
An Werkzeug benötigt man:
Drehmomentschlüssel bis 30 Nm
Drehmomentschlüssel bis min. 130 Nm
8er Stecknuss
10er Stecknuss
30er Stecknuss
Spezialwerkzeug Marke Eigenbau
1/4 Zoll Knarre
1/2 Zoll Knarre
Schaber um alte Dichtung zu entfernen
Vorgehensweise:
Am besten ist es wenn die Zephyr eine Stunde vor Beginn der Reparatur auf den Seitenständer gestellt wird. Dadurch läuft das Motoröl auf die linke Seite des Motors und muß nicht extra abgelassen werden. Ein wenig Öl läuft dennoch aus, also am besten einen aufgeschnittenen Kanister oder ein paar Putzlumpen unters Motorrad legen. Keine Sorge, es läuft max. ein halber Liter aus.
Als erstes wird der Kupplungszug ausgehängt. Dazu dreht man die Verstellerschrauben ( am Kupplungshebel und am Motor) ganz ein und entfernt die Schraube aus dem Kupplungsausrückhebel am Motor. Die Schraube unbedingt ganz entfernen!
Nachdem der Hebel nach oben hin abgezogen ist wird der Kupplungsbolzen entfernt. Dieses einfach ein Stück nach links drehen und herausziehen.
Jetzt werden die Gehäuseschrauben entfernt. Achtung, sie haben verschiedene Längen. Am besten macht man sich auf einem Stück Pappe eine Skizze von dem Motordeckel und steckt die Schrauben an betreffender Stelle in die Pappe. So ist Sichergestellt dass alle Schrauben und diverse Kabelhalter wieder an die richtigen Stellen kommen.
Wenn alle Schrauben entfern sind kann der Deckel abgenommen werden. Sollte der Deckel schon seit Jahren drauf sein kann es sein dass er sich etwas schwer lösen lässt. Dann einfach mit einem Schonhammer oder Gummihammer leicht ringsherum anklopfen. Dann lößt er sich sehr leicht.
ACHTUNG! Der Deckel wird von zwei Passhülsen an der richtigen Stelle fixiert. Diese nicht verlieren. Normalerweise sitzen sie sehr stabil im Motorgehäuse und fallen nicht raus, wenn doch die Hülsen beiseite legen und beim Zusammenbau unbedingt wieder einsetzen!
Jetzt werden die Schrauben der Kupplungsfedern über Kreuz gelöst und anschließend entfernt.
Danach kann die Kupplungsdruckplatte und der Druckpilz (das ist der Stift in der Mitte des Bildes) entfernt und das Scheibenpaket entnommen werden.
Dann sollte es bereits so aussehen:
Ab hier wird der Austausch der kompletten Kupplung beschrieben. Dies ist aber nur bei rupfender Kupplung nötig. Bei hohen Laufleistungen ( Petras Zephyr hat mittlerweile knapp 70000km gelaufen) arbeiten sich die Kupplungsscheiben und die dazwischen liegenden Stahlscheiben so in den Kupplungskorb ein dass sie nicht mehr in ihren Bahnen gleiten können sondern sich darin "verhaken". Dadurch rupft die Kupplung beim anfahren.
Wer also nur die Scheiben wechseln muss kann diese jetzt bereits wieder einsetzen. Dies wird weiter unten beschrieben. Überprüft vor dem einsetzen der Scheiben die Bahnen vom Kupplungskorb auf Verschleiß. Leichte Rattermarken oder Einkerbungen können mit einer Schlichtfeile und Schleifpapier mit 400er Körnung egalisiert werden. Bei starken Einkerbungen muss der Korb getauscht werden.
Jetzt mit dem "Spezialwerkzeug" (die Maßskizze und ein Bild davon gibt es gesondert unter Tipps und Tricks) den Kupplungskorb festhalten und die Kupplungsmutter lösen und entfernen.
Jetzt kann der Kupplungskorb herausgezogen werden. Danach wird der äußere Korb abgenommen. Achtet auf die Lage der Scheiben die zwischen den Teilen eingesetzt werden. Diese werden wieder an ihren Platz eingebaut.
Die alte Deckeldichtung restlos entfernen und eine neue auflegen. Achtet beim entfernen der Dichtung darauf dass die Dichtflächen nicht beschädigt werden! Ich habe mir diese Mühe diesmal ersparen können weil die Dichtung erst ein paar Wochen eingesetzt war.
Jetzt wird in umgekehrter Reihenfolge zusammen gebaut. Erst den äußeren Korb mit den Scheiben und dem eingeölten Rollenlager einsetzen , dann den inneren Korb einsetzen und die Mutter (normalerweise verwendet man eine neue da diese eine Klemmmutter ist. Man kann aber auch die alte wieder verwenden wenn diese im Schraubstock etwas zusammengedrückt wird!) mit 130Nm anziehen.
Bei den Zephyrmodellen C5 und D1 sind zwei Belagssscheiben stärker als die übrigen (nicht bei Zubehörteilen)! Diese werden als erste und als letzte eingesetzt! Bei den 550ern ist eine Stahlscheibe dicker als die anderen und muss als erste eingesetzt werden. Man beginnt also mit einer Kupplungsscheibe, dann folgt eine Stahlscheibe. Dann wieder eine Kupplungsscheibe und so weiter und so weiter, bis alle Scheiben eingesetzt sind. Danach wird der Druckpilz eingesetzt und die Druckplatte montiert. Jetzt kommen die Federn wieder an ihren Platz. TIPP: Verwendet immer neue Federn, und kauft euch verstärkte. Diese drücken die Kupplung besser zusammen was ein schleifen der Kupplung effektiv unterbindet. Für die D Modelle der Zephyr gibt es keine stärkeren Federn. Hier kann man sich aber mit unterlegen der Federn mit U-Scheiben behelfen. Diese müssen allerdings auf das passende Maß gedreht werden. Dazu 12er Unterlegscheiben mit 2,5 mm Stärke auf einen Aussendurchmesser von 20,5 mm drehen oder drehen lassen und diese dann zwischen Feder und der Scheibe auf der Schraube legen.
Anschließend die Schrauben über Kreuz anlegen und mit 8,8Nm festziehen. Als nächstes wird der Motordeckel aufgesetzt und alle Schrauben und Kabelhalter an ihrem Platz montiert und mit 9,8 Nm angezogen. Jetzt nur noch den Kupplungsbolzen einführen und durch eine Drehung nach rechts einrasten. Achtet darauf dass der Hebel wieder richtig sitzt. Die Markierungen müssen so stehen wie auf dem Bild!
Dann den Kupplungsausrückhebel aufsetzen und die Schrauben mit 5,9 Nm anziehen. Als nächstes noch den Kupplungszug einstellen. Ich stelle den Zug immer so ein dass ich oben am Lenker den max. Verstellweg habe, d.h. die Mutter fast ganz zum Lenkerende hin gedreht sind. Unten die Grundeinstellung vornehmen. Das Spiel ist gut eingestellt wenn die Kupplung sauber trennt und sich der untere Nippel des Zuges noch etwas im Hebel bewegt.
Als letztes wird das Motorrad auf den Hauptständer gestellt und der Ölstand geprüft und gegebenenfalls aufgefüllt. Dazu das Motorrad im Stand ein paar Minuten laufen lassen, den Motor abstellen und nach 5 Minuten den Ölstand ablesen
Wie immer, alle meine Anleitungen sind von mir geschrieben und die Reparaturen von mir so ausgeführt. Ich übernehme keine Gewähr, nicht dass morgen einer kommt und bei mir eine versaute Reparatur reklamiert! Wer sich diese Arbeiten nicht zutraut, ist in einer Fachwerkstatt bestens aufgehoben! Für weitere Fragen könnt ihr mich im Forum kontaktieren.
Robert Ott, 4.Juli 2008