Vergaser Vergaser ausbauen, überholen und reinigen

 

An meiner Zephyr waren die Schwimmernadeln der ersten beiden Zylinder undicht, auch lief die Maschine nicht mehr richtig. Sie machte sich durch unsaubere Gasanahme, unrunden Leerlauf und schlechtes Startverhalten bemerkbar.

Um spätere Vergaserprobleme gleich im Vorfeld zu unterbieten, bot es sich an statt der Schwimmerventile gleich die kompletten Vergaser zu überholen. Ich besorgte mir bei Motorradbay im Internet vier Vergaserüberholsätze von Keyster. Bei der Firma bestellte ich Sätze für die Zephyrmodelle bis 1995 mit 88er und 92er Hauptdüsen da mir die 96er dank der 82er und 85er HD zu ruppig ans Gas ging und doch sehr mager läuft. Bezahlt habe ich 100 Euro inkl. Versand. Eine Investition die sich wie es sich noch rausstellen sollte mehr als gelohnt hat. Auch der Inhaber von Motorradbay Gereon Strzyzewski ist ein sehr netter und kompetenter Händler. 

Werkzeugliste:

Benötig werden im einzelnen

1 Satz Inbusschlüssel

1 Kreuzschraubendreher PH2

1 Kreuzschraubendreher PH3

Ratsche 1/4" mit 10er Nuss

1 gekröpfte Spitzzange

1 Messschieber

Flachschraubendreher in verschiedenen Größen

1 Benzinfestes Gefäß (Schüssel oder aufgeschnittener Kanister)

1 kleiner Pinsel

Kompressor mit Ausblaspistole

Vorgehensweise:

Zuerst wir das Motorrad auf den Hauptständer gestellt. Dann entfernt man Sitzbank, Seitenverkleidungen und den Tank. Hierzu die Schläuche (Krafftstoff, Unterdruck, Überlauf und Wasserablauf) am Tank abnehmen sowie die Kabelverbindung der Tankanzeige trennen. Dann die beiden Befestigungsschrauben des Tanks rausdrehen und entfernen. Danach den Tank abnehmen und irgendwo so ablegen dass keiner drauf tritt oder ihn herunter schmeißen kann. Den Tank am besten auf zwei Kanthölzern lagern damit der Benzinhahn frei bleibt. Jetzt sollte das Bike so aussehen:

Als nächstes den Luftfilter demontieren. Bei der Zephyr müssen hierzu die 4 Kreuzschlitzschrauben die den oberen Deckel halten herausgedreht werden. Den Luftfiltereinsatz aus dem Gehäuse entfernen. Danach das Gehäuse entfernen. Dieses ist mit einer Schraube befestigt und unten in einer Nase gelagert. Die Schraube erreicht man in dem man mit einem Schraubendreher durch die mittlere Bohrung der Tankbefestigung greift. Wenn der Kasten entfernt wurde müssen nun die Gaszüge ausgehängt werden. Ich öffne dazu immer die Gasarmatur und hänge die Gaszüge am Griff aus.

Danach hänge ich die Gaszüge an der Vergaserbatterie aus. Zuerst den Schließerzug, dann den Öffner. Dazu drücke ich die linke Synchronisierschraube mit der einen Hand hinunter, mit der anderen hänge ich den Zug aus. Geht Kinderleicht. Jetzt noch den Chokezug an der Vergaserbatterie aushängen.

Jetzt werden die Federn an den Ansauggummis in Richtung Ansaugkasten zurückgerollt. Anschließend werden die 4 Schlauchklemmen an den vorderen Ansaugstutzen gelöst. Danach werden die Moosgummistreifen zwischen dem Kasten und dem Motorradrahmen entfernt.

 

 

Wenn diese entfernt sind kann der Kasten nach hinten gezogen und anschließend die Vergaser von den vorderen Ansaugstutzen gezogen werden.

Somit sind die Vergaser frei genug um nach rechts aus dem Motorrad genommen zu werden. Achtet dabei auf den Kupplungszug. Manchmal ist der so geschickt verlegt dass er zwischen den Vergasern liegt und diese dann nicht freigibt.

Jetzt sollte euer Motorrad so aussehen:

Jetzt werden die Vergaser erst mal außen gründlich gereinigt. Wenn sie sauber sind, geht es ans öffnen der Schwimmerkammern. Entfernt bei den Modellen nach 96 erst mal die unsägliche Vergaserheizung. Ich habe sie nicht mehr eingebaut, weil mich die Kabel unten rum immer schon optisch gestört haben. Ohne geht es genauso gut!

Wenn die Kammern offen sind baut man alle Teile darin aus. Das heißt die Schwimmer samt Nadeln, Hauptdüsen und die Düsenstöcke. Entfernt die Leerlaufgemischschrauben, die Federn, Scheiben und O-Ringe unter den Leerlaufgemischschrauben. Dann sollte es schon so aussehen:

Als nächstes kommen die Membranen oben an den Vergasern raus. dazu entfernt man die verchromten Deckel und entnimmt vorsichtig die Membranen darunter samt den Düsennadeln und Schiebern. Danach können die Nadelführungen aus Messing nach unten herausgedrückt werden.

Jetzt reinigt man die Vergaserbatterie und Schwimmerkammern gründlich in Benzin und bläst die Vergaser schön sauber. Jede Bohrung schön ausblasen! Man kann auch wenn man hat die Vergaseranlage im Ultraschallbad reinigen. Ich verzichte auf die Anschaffung eines solchen Gerätes da die Vergaser nur alle paar Schaltjahre mal gereinigt werden müssen.

Wenn die Vergaser schön sauber sind werden jetzt die neuen Teile eingebaut. Beginnt mit den Nadelführungen, danach setzt ihr die Düsenstöcke der HD ein. Gut anziehen! Wenn die sich lösen gibt es nur Probleme. Allerdings auch nicht zu fest. Die Teile sind aus Messing und das ist spröde. Es bricht recht schnell! Danach dreht man die HD fest in den Düsenstock ein. Anschließend die neue Leerlaufdüse. Jetzt montiert man die Leerlaufgemischschrauben. Achtung! Erst den O-Ring einsetzen, dann die Scheibe und dann die Feder! Achtet auf die richtige Lage der Teile! Schaut mit einer Taschenlampe in die Bohrung ob die eingelegten Teile schön aufeinander liegen sonst läuft der Motor nachher schlechter als vorher! Jetzt die Schraube selber. Leicht festziehen (nur anlegen) dann wieder genau 1,75 Umdrehungen raus. Das ist die Grundeinstellung wie Kawasaki sie für die C1 bis C4 Modelle empfiehlt. Diese Werte gelten auch für D1 und D2 Modelle wenn sie mit der oben genannten Düsen versehen sind. Nach einigen Versuchen und Einstellungen hat sich aber eine andere Grundeinstellung bestens bewährt. Ich drehe die Schrauben an den äußeren Vergasern 2,25 Umdrehungen und an den inneren Vergasern 2,5 Umdrehungen heraus. 

Die empfohlenen Einstellungen findet ihr hier.

Jetzt setzt wieder die Schwimmer mit den Schwimmernadeln ein und überprüft den Schwimmerstand. Dazu werden die Vergaser so gehalten dass die Schwimmer frei hängen. Jetzt werden die Vergaser so gedreht dass das Nadelventil gerade so in seinem Sitz sitzt aber der Federgespannte Stift der Nadel nicht eingedrückt wird. Jetzt misst man den Abstand zwischen Schwimmerboden und der Dichtfläche am Gehäuse. Der korrekte Wert liegt zwischen 15 und 17 mm. Sollte der wert nicht stimmen muss der Schwimmerstand durch vorsichtiges Biegen der Lasche an der das Nadelventil hängt korrigiert werden. Wiederhole das ganze an den anderen Vergasern. Wenn dann alles passt werden die Kammern mit neuen Dichtungen aufgesetzt.

Jetzt werden die Schieber mit den neuen Nadeln versehen und wieder in die Vergaser montiert. Achtet darauf dass die Membranen richtig in ihrem Sitz sitzen und nicht verdreht werden. Vorsichtig die Vergaserdeckel aufsetzen ohne die Membranen einzuklemmen.

Das war es. Jetzt werden die Vergaser wieder in umgekehrter Reihenfolge eingebaut. Die Vergaserbatterie von rechts ins Motorrad schieben. Die Vergaser auf die Ansaugstutzen schieben, den Ansaugkasten vorschieben, darauf achten dass die hinteren Ansauggummis richtig auf den Vergasern sitzen, die Federn vorrollen, die Schlauchschellen richtig positionieren und anziehen. Jetzt den Luftfilterkasten festschrauben, die Moosgummistreifen zwischen den Rahmen und den Kasten klemmen. Den Luftfilter einsetzen. Kleiner Tipp, der Luftfilter von K&N hält ewig. Ist so einer schon montiert gleich auswaschen, trocken blasen und wieder mit Luftfilteröl benetzen. Macht man sonst eh wieder nicht.

Jetzt müssen noch die Gaszüge und der Chokezug eingehängt  werden. Anschließend werden wenn man die Gerätschaften dazu hat die Vergaser synchronisiert. Wenn man die Uhren dazu nicht hat macht man den Tank drauf, Schläuche anschließen, Kabel von der Tankuhr anschließen, Seitendeckel montieren und die Sitzbank wieder drauf und vereinbart einen Termin mit einer Werkstatt die das kann.

Benzinhahn auf Pri stellen um die Vergaser zu fluten. Und Start. Jetzt sollte das Motorrad wieder schön laufen und wenn es eine nach 96 ist gehen wie der Teufel!

Wer Probleme oder noch Fragen hat kann mich im Forum kontaktieren

Robert Ott 16.6.2008

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