Wechseln der Gabelfedern und des Gabelöles

Wie bei allen Motorrädern mit herkömmlicher Gabel unterliegt auch bei der Zephyr das Gabelöl einem normalen Verschleiß und sollte daher alle 4 Jahre gewechselt werden. Das wechseln selber ist keine große Herausforderung und sollte selbst für ungeübte Schrauber innerhalb von 2,5 Stunden erledigt sein. In vielen Anleitungen wird gerne behauptet dass man die Gabelstandrohre in ihrer Position belassen und das Öl gewechselt werden kann. Dies ist aber eine etwas halbseitige Behauptung. Zwar besitzt die Zephyr Ablassschrauben am unteren Ende der Tauchrohre aber wer sich die Mühe macht und zuerst das Öl unten ablässt und dann die Gabelholme ausbaut und umdreht wird überrascht sein wie viel schwarzes und übelriechendes Altöl noch aus den Standrohren läuft! Auch zum genauen Ausmessen des Ölniveau ist es ratsam die Gabelholme auszubauen, da der Ölstand eigentlich nur richtig gemessen werden kann wenn das Standrohr senkrecht steht, was ja in eingebauten Zustand nicht möglich ist.

Meine Empfehlung für das Gabelöl lautet ganz klar 15er Viskosität. Kawasaki empfiehlt 7,5er. Mit dem 7.5er ist die Gabel sehr weich und eher in Richtung Komfort abgestimmt, mit dem 15er wird die Gabel steifer was einen besseren Kontakt des Vorderrades zu Straße ermöglicht. Außerdem fährt die Zephyr damit viel exakter um die Kurven. Ich habe auch schon ein 10er Öl gefahren und war enttäuscht. Ein wirklicher Unterschied zum 7,5er war nicht zu bemerken.

Wer vernünftige Federn sucht ist bei Wilbers gut aufgehoben. Ich persönlich fahre die progressiven Federn von Wilbers und bin sehr zufrieden.  Achtung! Die D1 und D2 Modelle der Zephyr haben bereits progressive Federn verbaut die jedoch eine geringere Drahtstärke haben und deshalb weicher sind als die von Wilbers oder Wirth. Die originalen Federn haben eine Drahtstärke von etwa 4,5 mm. Aufpassen also bei vermeintlichen Schnäppchen aus dem Internetauktionshaus.

Werkzeugliste:

Innensechskantschlüssel 6mm, 8mm und 12mm oder

Ratsche mit entsprechenden Inbusnussen

1/2" (Zoll) Ratsche mit Stecknuss 24mm

Stecknuss 13mm oder Gabelschlüssel

guter Gabelschlüssel SW24

Spitzzange

Kreuzschraubendreher PH2

Drehmomentschlüssel

Rangierwagenheber

Kabelbinder, Draht oder ein Stück Kabel

aufgeschnittener Kanister oder kleine Wanne

WD 40 oder ähnliches

 

Anleitung:

Zunächst baue ich immer die Bremssättel von den Tauchrohren und hänge sie ohne Spannung auf die Bremsleitung an den Leitungen zum Ölkühler auf.

 

Anschließend löse ich die Schrauben der oberen Gabelklemmung. Dies ist sehr wichtig damit der Druck auf dem Gewinde der Gabelverschlussschraube weg ist. Wird die Verschlussschraube gelöst solange Druck von der Gabelklemmung ausgeübt wird kann das Gewinde beschädigt werden! Im Anschluss wird die Verschlussschraube (SW24) gelöst aber noch nicht völlig rausgedreht. Wenn ihr einen Markengabelschlüssel (z.B. Gedore, Hazet oder vergleichbares) benutzt könnt ihr damit die Schraube lösen. Wenn nicht, solltet ihr den Lenker besser abmontieren und die Schraube mit einer Stecknuss oder einem Ringschlüssel lösen! Achtung! Die Schraube ist aus Aluminium und der Sechskant ist sehr schnell versaut! Deshalb lieber etwas mehr Geld in gutes Werkzeug investieren. Ein Schlüssel vom Aldi oder Grabbeltisch war schon oft die viel teurere Investition!

Danach baue ich das Vorderrad aus. Wie das geht steht in der Anleitung "Wechseln der vorderen Radlager". Anschließend baue ich das vordere Schutzblech ab. Die Halterungen der Bremsleitungen gehen mit der Spitzzange recht leicht raus in dem man die Nasen der Halterungen auf der Innenseite des Schutzbleches zusammendrückt und die Halterungen nach außen herauszieht. Wenn das erledigt ist wird das Schutzblech entfernt. Dann sollte euer Moped aussehen wie Sofie auf diesem Bild.

Jetzt wird die Ablassschraube mit dem Kreuzschraubendreher gelockert und entfernt und das Öl abgelassen. Achtung, es läuft im großen Bogen aus der Gabel! Wenn es aufgehört hat zu fließen dreh ich die Schraube wieder fest und lockere die unteren Standrohrklemmschrauben um das Standohr aus den Gabelbrücken zu ziehen. Kleiner Tipp, niemals das Rohr "herausschrauben" oder durch ewiges hin und her drehen entfernen. Das gibt oftmals hässliche Kratzer. Besser ist es das Standrohr vorher etwas zu reinigen und mit WD40 oder ähnlichem einsprühen. Dadurch gleitet es im Normalfall sehr leicht aus den Brücken.

Wenn also ein Standrohr ausgebaut ist (das andere kommt später dran!) entfernt man die obere Verschlussschraube. Vorsicht, die Schraube steht unter Spannung der Gabelfeder! Beim drehen immer etwas Druck von oben ausüben. Sonst springt die Schraube ab und trifft euch wo möglich ins Auge!

Wenn die Schraube draußen ist entnimmt man die Vorspannhülse, die Scheibe und die Feder. Wenn man das Standrohr ein wenig in das Tauchrohr schiebt geht das am besten. Im Anschluss dreht das Standrohr über der Wanne auf den Kopf und lasst das restliche Öl aus dem Standrohr laufen. Pumpt dabei (wie bei einer Fahrradluftpumpe) das Öl heraus. Dann die Ablassschraube rausdrehen und auch hier das restliche Öl herauspumpen. Danach die Ablassschraube wieder festziehen. Verwendet möglichst einen neuen Dichtring (Teilenr. Kawasaki 44045)

Die einzelnen Teile:

Nun geht es wieder an den Zusammenbau.

Füllt nun etwa 300 ml neues Gabelöl in das Standrohr. Durch pumpen wird das Öl in dem Tauchrohr und in den Ventilen in der Gabel verteilt. Die genauen Ölmengen:

ZR 550:   

    Ölwechsel:                                     350 ml

    nach Überholung (komplett trocken): 408 bis 416 ml.

ZR 750:

    C1 und C2 Modelle

    Ölwechsel:                                    400 ml.

    nach Überholung (komplett trocken)  466 bis 474 ml.

    C3, C4 und C5 Modelle

    Ölwechsel:                                    417 ml.

    nach Überholung (komplett trocken) 490 ml.

    D1 und D2 Modelle

    Ölwechsel:                                    400 ml.

    nach Überholung (komplett trocken) 643 bis 471 ml.

Ölstand:

    ZR 550                                         96 bis 100 mm (ab Oberkante Standrohr)

    ZR 750

        C1 und C2 Modelle                     108 bis 112 mm (ab Oberkante Standrohr)

        C3, C4 und C5 Modelle                88 bis 92 mm (ab Oberkante Standrohr)

        D1 und D2 Modelle                     110 bis 115 mm (ab Oberkante Standrohr)

Anmerkung: Der Ölstand wird bei ausgebauter Feder und zusammengedrückter Gabel vom Standrohrrand aus gemessen!    

Dann wird also der exakte Ölpegel eingestellt. Ich führe dazu einen sauberen Meterstab in das Standrohr und messe den tatsächlichen Ölstand bei senkrecht stehendem und zusammengedrücktem Gabelholm. Wenn man also rund 300 mm eingefüllt hat muss noch etwas fehlen. Gebt immer nur kleine Mengen an Öl in das Standrohr und messt immer wieder zwischen durch. An meiner D1 fahre ich einen Ölstand von 114 mm. Mehr Öl bedeutet härtere Federung, weniger Öl eine etwas weichere.

Anschließend führt man zuerst die Feder dann die Scheibe und gegebenenfalls die Abstandshülse in das Standrohr ein. Achtet auf die richtige Lage der Feder. Bei progressiven Federn ist die engere Wicklung oben! Achtet auch darauf dass die Scheibe richtig in der Feder sitzt! Dann wird die Verschlussschraube wieder reingedreht. Dabei ist es wichtig dass der Gabelholm völlig auseinander gezogen wird und die Schraube mit etwas Druck von oben gedreht wird. Achtet bitte darauf dass die Schraube nicht verkantet eingesetzt wird. Das Gewinde ist schnell beschädigt.

Wenn das also erledigt ist, kann der Gabelholm wieder in die Gabelbrücken eingeführt werden. Ich reinige immer die Bohrung in den Gabelbrücken und das Standrohr vor dem einsetzen. Das Standrohr soweit in die Gabel einführen dass der Rand des Standrohres mit der Oberkante der oberen Gabelbrücke abschließt. Dann zieht man die untere Gabelbrücke mit 20 Nm fest. Danach zieht man die Gabelrohr Verschlussschraube mit 23 Nm fest. Danach die obere Gabelbrücken Klemmschraube ebenfalls mit 20 Nm.

Damit ist eine Seite fertig. Nun die andere Seite.

Wenn beide Gabelholme gemacht sind wird das Schutzblech montiert. Davor montiere ich immer zuerst die Steckachse ohne Rad und ziehe die Achsmutter leicht an. So ist gewährleistet dass das Schutzblech wieder sauber in seine Position gebracht werden kann.

Wenn das Schutzblech montiert und angezogen ist entfernt man die Steckachse wieder und montiert das Vorderrad.  Die Achse von rechts einführen! Angezogen wird die Achsmutter mit 88 Nm. Danach die Achsklemmung mit 34 Nm (ZR 550 mit 20Nm) angezogen. Zum Schluss noch die Bremssättel montieren und diese mit 34 Nm (ZR 550 mit 32 Nm) anziehen. Die Halterungen für die Bremsleitung in das Schutzblech stecken, und fertig ist der Gabelölwechsel.

Dies Anleitung dient wie alle anderen als Orientierung! Wer sich den Wechsel nicht zutraut oder nicht über geeignetes Werkzeug verfügt ist in einer Fachwerkstatt sehr gut aufgehoben. So teuer sind die Stundensätze in den Werkstätten nicht. Ein geschrottetes Motorrad oder ein Menschenleben ist viel teurer!

Robert Ott 2. August 2008

 

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